Neue Flipped Classroom Grafik

Ich bin in letzter Zeit öfter auf Grafiken gestoßen, die wunderbar auf die Grundidee hinter dem Flipped Classroom hinweisen und als „Opener“ in eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept dienen. Leider waren alle Grafiken nicht CC-lizenziert, also hab ich selbst mal schnell eine gebaut.

Flipped Classroom

Vielleicht kann die Grafik ja noch jemand brauchen, darum veröffentliche ich sie kurz hier unter CC-BY Lizenz. Auch auf der Einstiegs-Seite zum Flipped Classroom auf lernkiste.org findet sie jetzt eine ganz gute Verwendung.

Flippen mit Impulsvideo und interaktiven Lernmaterialien

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, meinen Flipped Classroom weiterzuentwickeln. Dabei probiere ich Wege, über das Erklärvideo hinauszugehen und nicht nur die Präsenzphase, sondern auch die Erarbeitung von Inhalten zu Hause möglichst schülerzentriert, aktivierend und lernfreundlich zu gestalten.

Impulsvideo statt Erklärvideo

Anstatt das komplette Thema zu erklären, verwende ich bei dieser Methode nur ein kurzes Impulsvideo, das am Anfang des Lernmaterials steht und den Schülern Orientierung gibt. Es soll helfen, das Thema einzuordnen und die Schüler „auf den Weg zu schicken“.

Erarbeitung mit interaktiver Präsentation

Anschließend erarbeiten die Schüler selbstständig anhand von interaktiven Materialien, wie das Thema funktioniert und was sie müssen wissen. Mit Hilfe einer „interaktiven Präsentation“ von H5P werden Konzepte oder Rechenwege erklärt, Fragen prüfen anschließend sofort das Verständnis und geben Lernenden Feedback darüber, ob Sie das Ganze gerade verstanden haben.

So erarbeiten sich die Lernenden das Thema Schritt für Schritt selbst, sind bei der Erarbeitung aktiv und können das Gelernte (hoffentlich) gleich umsetzen.

So sieht’s aus: Erster Versuch der interaktiven Präsentation

Und so sieht das Ganze am Thema „Langfristige Preisuntergrenze“ (BwR 10 II) aus.

Erarbeitung mit digitaler Übung statt Video im Flipped Classroom

In diesem Blog und auf meiner Fortbildung zum Thema Flipped Classroom habe ich verschiedene Möglichkeiten beschrieben, wie man seinen Unterricht umdrehen („flippen“) kann: Mit Erklär- oder Impulsvideos, einem analogen Arbeitsblatt oder vorbereitenden Stamm-Experten-Gruppen.

Heute möchte ich Euch kurz einen weiteren – digitalen – Weg beschreiben, der sich ganz prima zum Flippen eignet, wenn die Klasse etwa schon Vorwissen zum Thema mitbringt, das Thema kompakt in einer Grafik dargestellt werden kann oder Zusammenhänge schön visualisiert dargestellt werden können.

Den Stoff mit einer digitalen Übung (H5P oder LearningApp) präsentieren

Im Beispiel, das ich Euch zeige, bringen die Lernenden schon Vorwissen mit, denn sie wissen, wie ein „einfacher“ Buchungssatz aufgebaut ist. Der „zusammengesetzte“ Buchungssatz baut darauf auf und ergänzt das Ganze um eine kleine Komponente. Im klassischen Unterricht mit Herleitung und Tafelbild geht für diese recht triviale Sache viel Zeit drauf – Zeit, die viel besser zum Üben und Vertiefen verwendet werden könnte!

In einer H5P-Übung (die es hier gibt) müssen die Lernenden die richtigen Begriffe in einem Schaubild einsetzen und erarbeiten so das neue Thema selbstständig. Sie erhalten auch gleich ein Feedback, ob sie das Schaubild richtig vervollständigt haben und können sich bei Bedarf verbessern und nochmal damit beschäftigen.

Die Erarbeitung erfolgt über das Vervollständigen eines Schaubildes

 

Hefteintrag wird freigeschaltet, sobald die Erarbeitung richtig abgeschlossen ist

Mit den praktischen Regeln, in denen man in Lernplattformen wie mebis steuern kann, wann Lernende welche Inhalte sehen können, kann eingestellt werden, dass der Hefteintrag sichtbar wird, sobald das Erarbeitungsschaubild richtig gelöst wird. So wird sicher gestellt, dass sich die Schüler wirklich mit dem Thema auseinander setzen und nicht bloß den Eintrag gedankenverloren ins Heft abmalen.

Vor der eigentlichen Unterrichtsstunde haben sich die Schüler das Thema erarbeitet und den Hefteintrag erstellt, das Üben und Anwenden kann sofort losgehen!

Der mebis-Kurs mit den Selbstlernmaterialien

Neuer Mebis-Kurs: BwR 10 – Vollkostenrechnung

Das Thema „Vollkostenrechnung“, das man in der 10. Klasse in BwR behandelt, ist ganz schön anspruchsvoll. Die Schüler lernen viele neue Begriffe, müssen diese anwenden und auseinanderhalten können und verschiedene Berechnungen durchführen.

Die Erarbeitung mit Hilfe von Erklärvideos und digitalen Übungen soll helfen, dass der Stoff möglichst gut gelernt und geübt werden kann. Für die Teilbereiche Kostenarten, Kostenstellen und Betriebsabrechnungsbogen BAB habe ich einen Mebis-Kurs erstellt und über TeachShare veröffentlicht, mit dem die Schüler die Themen erarbeiten, wiederholen und üben können.

Einsatz im klassischen Unterricht oder im Flipped Classroom

Der Kurs kann vielseitig eingesetzt werden. In einer Tabletklasse oder bei Zugang zum IT-Raum können die Videos anstelle des Buches zur Erarbeitung genutzt werden, die gemeinsame Sicherung oder direkte Anwendung folgt danach.

Der Kurs eignet sich aber auch prima, um den Unterricht zu „flippen“: Die einzelnen Videos werden als vorbereitende Hausaufgabe bearbeitet, wodurch die gemeinsame Unterrichtszeit sofort zum Üben und Vertiefen verwendet werden kann.

Download und Freigabe über mebis TeachShare

Der Kurs kann über TeachShare gesucht und für eigene Zwecke übernommen oder als Open Educational Resource hier heruntergeladen werden:

So sieht der Kurs aus:

Flipped Classroom mit Arbeitsblatt und Tafelbild: Vorschlag für den ersten Einstieg

Im letzten Blog-Beitrag habe ich schon von einer Möglichkeit berichtet, den Unterricht auch ohne den Einsatz eines Videos umzudrehen, nämlich durch den geflippten Einsatz der Gruppenpuzzle-Methode.

Grafik by https://www.iconfinder.com/justui

In diesem Beitrag möchte ich kurz einen möglichen Ansatz vorstellen für alle, die das Flipped Classroom Konzept gerne einmal ausprobieren wollen, aber nicht gleich mit Videos oder schülerzentrierten Methoden starten, sondern sich und die eigene Klasse vielleicht langsamer und „klassischer“ an einen Unterricht gewöhnen möchten, in dem die Hausaufgabe nicht zur Nachbereitung, sondern der Vorbereitung auf den Unterricht dient. Denn darum geht’s: Nicht um Technik oder digitale Bildung, sondern um mehr echte Lernzeit und den besseren Einsatz des Lehrers als Experten, der individuell helfen und zur Seite stehen kann.

Erarbeitung über Arbeitsblatt daheim, Sicherung über Tafelbild in der Stunde

In einer BwR-Stunde der 8. Klasse zum Thema „Skonto im Verkaufsbereich“ fand die Erarbeitung bei mir bisher klassisch über ein Arbeitsblatt statt, das in Einzelarbeit bearbeitet und dann verbessert wurde, bevor gemeinsam das Tafelbild erstellt wurde. Zwar hat das gut funktioniert, aber zum Üben und Anwenden blieb in der Stunde so gut wie keine Zeit mehr. Das erste mal wirklich das Gelernte anwenden mussten die SuS zu Hause, alleine.

In der neuen, geflippten Stunde erarbeitet sich die Klasse das Thema anhand eines leicht veränderten Arbeitsblattes zu Hause selbst. Das erfordert kaum Aufwand, man kann sein vorhandenes Material nutzen und die Umstellung der Stunde ist damit gleich gemacht.

BwR8_Skonto_Flipped

Damit die Schülerinnen und Schüler auch daheim prüfen können, ob sie das Thema verstanden haben, finden sie eine erste interaktive Zuordnungsaufgabe hinter einem QR-Code, der schnell gemacht ist.

In der Stunde fallen viele Minuten der Erarbeitung weg, denn die Klasse weiß bereits, worum es geht und das Tafelbild kann sofort im Lehrer-Schüler-Gespräch erstellt werden. Dadurch bleibt nun viel mehr wertvolle Unterrichtszeit, um Übungsaufgaben in der Stunde selbst zu machen, und ich als Lehrer kann beim Anwenden und Vertiefen unterstützen.

Hier wird die Stunde im Kleinen geflippt – ohne großen Zeitaufwand aber mit einem Zeitgewinn, der doch viel ausmacht!

Das Arbeitsblatt zur Erarbeitung gibt’s im BwR-Bereich.

Interaktive Videos mit H5P – Schüler werden bei der Erarbeitung aktiv

Videos sind ein tolles Medium, werden aber leider nur passiv konsumiert – bisher! Mit interaktiven Videos und dem H5P-Plugin werden Videos „lebendig“.

Pro und Contra Video: Sinnvolles Medium oder passive Schüler?

Ein beliebter Weg für die auf den Unterricht vorbereitende Wissensvermittlung im Flipped Classroom ist der Einsatz von Erklärvideos. Videos eignen sich aber auch im „klassischen“ Unterricht für viele Dinge: als Material in einem Lernzirkel am Tablet, zur Nachbereitung oder Zusammenfassung (die Explainity-Videos etwa fassen die in WiR behandelten Themen häufig hervorragend zusammen). In eigenen Videos erkläre ich Dinge (hoffentlich) prägnant, anschaulich und auf den Punkt gebracht.

Was mich aber bisher störte: mehr als Pause und Play müssen Lernende nie drücken. Videos werden brav angeschaut und die Hefteinträge erstellt, aber wie viel aktive Denkleistung die Schüler beim Anschauen wirklich investieren (Vorwissen aktivieren, Querverweise zu anderen Themen herstellen, Zusammenhänge erkennen), bleibt mir als Lehrkraft bei diesem Medium leider verborgen.

Mit interaktiven Videos sollen Schüler aktiv werden

Ein Open-Source Projekt, H5P.org, das im Moment als WordPress- und drupal-Plugin funktioniert und bald auch in Moodle funktionieren soll, ermöglicht es, selbst gehostetete oder auf YouTube verfügbare Videos mit einer einfachen Benutzeroberfläche mit ganz verschiedenen Frage-Typen anzureichern.

h5p_video_1

Im Editor spielt das Video ab. An einer gewünschten Stelle klickt man auf Pause und wählt aus, welche Frage man an hier einfügen soll. Es gibt viele Fragetypen, wie Lückentext, Multiple-Choice oder Zuordnungsaufgaben. An den Stellen mit Fragen wird das Video pausiert und die Schüler sollen die Frage beantworten, bevor das Video weitergeht.

Die Fragen machen das Video zu einem schüleraktivierenden Medium, das an geeigneten Stellen Vorwissen aktivieren kann, Verständnis der neuen Inhalte prüft oder mit den passenden Aufgaben zum Transfer des Wissens anregt. Die Schüler sehen nicht erst in der nächsten Unterrichtunde, sondern gleich beim Anschauen des Videos, ob sin den neuen Stoff auch wirklich verstanden haben oder einen Abschnitt besser doch nochmal anschauen sollten.

h5p_video_2

Im ersten interaktiven Video habe ich drei Frage-Typen eingebaut, die das Ganze veranschaulichen sollen.

Alles super? (Noch) nicht ganz!

Der Editor verlangt von der Lehrkraft keine Programmier-Kenntnisse. Alles funktioniert über Buttons und Textfeldern, wie man es etwa von LearningApps.org schon kennt. Super einfach, super schnell gemacht. Die erstellten Inhalte (Videos, quizzes, usw.) lassen sich auf jeder Seite einbinden und funktionieren auf dem Handy, Tablet oder Computer. Genial!

Leider gibt’s noch ein paar „Probleme“ mit dem H5P-Plugin. Das Plugin selbst funktioniert gut, aber in der Übersicht eigener Inhalte kann man nur durch Tags, nicht aber durch Ordner oder Unterordner strukturieren. am Anfang OK, auf Dauer aber unübersichtlich.

Wesentlich gravierender aber ist die Tatsache, dass man H5P im Moment nur auf der eigenen Website verwenden kann. Für mich mit lernkiste.org kein Problem, aber wie viele Lehrkräfte haben selbst gehostete Websites, wo sie solche Inhalte online stellen können? Auf H5P.org kann man Inhalte zwar erstellen, die Seite ist aber kein Verzeichnis von vorhandenen Übungen wie LearningApps.org.

Ein großer Schritt, der dieses Problem behandeln wird, ist die demnächst kommende Moodle-Integration. Wann und wie die kommt, steht aber noch in den Sternen. Noch fraglicher ist dabei auch, wann die Mebis-Integration (Das zentrale Moodle-System für bayerische Schulen) von H5P kommt. Das wäre ein sehr wichtiger Schritt, um H5P „massentauglich“ zu machen.

Tolles Tool mit so viel Potential

Auch wenn der aktuelle Entwicklungsstand von H5P noch einige Wünsche offen lässt hinsichtlich Organisation und Integration, kann das Tool schon jetzt total viel. Interaktive Videos sind ein toller, wichtiger und sinnvoller Baustein für einen Video-gestützten Flipped Classroom bzw. Video-Einsatz im Unterricht und die Quizze sind vielseitig, regen an und sind total schnell erstellt.

Ein super Tool für digitales Lernen mit ganz viel Potential!

Demnächst folgt ein Beitrag zu den verschiedenen Quizzes, die man mit H5P erstellen kann.

Flipped Classroom ohne Video: Stamm-Experten-Gruppe

Für viele interessierte Lehrkräfte, die neugierig auf den „Flipped Classroom“ geworden sind, stellt das Unterrichten mit Erklärvideos einen ersten Zugang zu diesen Konzept dar. Liest man sich dann tiefer in das Thema ein, wirft einen Blick auf die Arbeitsweise und Materialien von Lehrkräften, die dieses Konzept schon anwenden, oder besucht man gar Fortbildungen oder Tagungen zum Flipped Classroom, wird die These häufig noch verstärkt, der Flipped Classroom wäre ein Synonym für das Unterrichten mit dem Medium Video.

Medien- und Methodenvielfalt bereichern das Lernen

In der Tat sind Erklärvideos eine beliebte und sinnvolle Möglichkeit, seinen Unterricht umzudrehen. Es gibt viele tolle Werkzeuge, um ansprechende und qualitativ hochwertige Videos zu produzieren und vielfältige Wege, sie den Lernenden zur Verfügung zu stellen. Außerdem ist es für die Schülerinnen und Schüler bequemer und bestimmt ansprechender, sich ein Video anzusehen als sich das Thema etwa mit Hilfe des Schulbuchs zu erarbeiten.

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Grafik von Oliver Tacke

Herzstück des umgedrehten Unterrichts ist aber nicht das Medium Video, sondern die Verlagerung von (meist lehrerzentrierten) Einführungsphasen. Anstatt ein Thema in der Schule im gleichen Tempo zu lernen, erarbeiten die Lernenden den Stoff selbstständig in Vorbereitung auf die nächste Stunde um die so gewonnene Unterrichtszeit zum Üben, Vertiefen und personalisierten Lernen zu verwenden.

Dabei muss die Vorbereitung bzw. Erarbeitung der Inhalte nicht immer per Video stattfinden, sondern kann genauso gut in Form von Arbeitsblättern, Wiki-Einträgen oder anderen Medien stattfinden, die den Sachverhalt erklären. Dabei muss – wie beim Video auch – darauf geachtet werden, dass die Erklärungen klar formuliert sind und ohne weitere Hilfestellungen durch die Lehrkraft verstanden werden können.

Beispiel: Arbeitsblatt und Stamm-Experten-Gruppen im Flipped Classroom

In einer umgedrehten BwR-Stunde möchte ich das Thema „Verpackungsmaterial und Ausgangsfracht“, das aus drei Teilbereichen besteht, nicht in Form eines Videos einführen. Stattdessen soll sich jeweils ein Drittel der Klasse mit einem Teilbereich beschäftigen und diesen den Mitschülern als „Experten“ in kleinen Gruppen erklären.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass die Methode zwar gut funktioniert, im Unterricht aber nach der Erarbeitung und Sicherung kaum noch Zeit bleibt, um das erarbeitete Thema auch wirklich zu üben. Hier kommt der Flipped Classroom ins Spiel:

Zur Vorbereitung auf ein kurzes Treffen in der Stammgruppe erarbeiten die Lernenden ihren Teilbereich des Themas zu Hause. Vor der Gruppenbildung der unterschiedlichen Experten treffen sich die themengleichen Experten zu Beginn der Stunde nur kurz in den Stammgruppen, um sicherzustellen, dass alle das Thema verstanden haben. Dann erfolgt die Gruppenphase, in der sich die Experten die Teilbereiche gegenseitig erklären. Anschließend bleibt Zeit, um das Thema durch zusätzliche Übungen zu festigen.

Ablauf

  1. Erarbeitung des Teilgebiets als Vorbereitung
  2. Kurzer Austausch in Stammgruppen zum Abgleich des Gelernten
  3. Gruppenphase mit Treffen der einzelnen Experten (Erarbeitung neuer Inhalte der anderen Experten und Festigen des eigenen Themas im Sinne von Lernen durch Lehren)
  4. Übung und Vertiefung mit weiterführenden Aufgaben
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Beispiel für Erarbeitungsblatt aus der SteX

Trainieren des selbstständigen Arbeitens mit Videos

Die selbstständige Vorbereitung auf die Stunde verlangt von den Lernenden noch mehr Verantwortung als beim „üblichen“ Flipped Classroom, da die Schülerinnen und Schüler nicht mehr nur für das eigene, sondern auch für das Lernen der Klassenkameraden verantwortlich sind.

Ich glaube, diese Art des Lernens kann vor allem dann funktionieren, wenn die Klasse schon im Vorfeld trainiert hat, sich so aktiv am Lernprozess zu beteiligen und etwa durch die eigenständige Vorbereitung auf den Unterricht Verantwortung für das (eigene) Lernen zu übernehmen. Tatsächlich hat die Stunde wunderbar funktioniert, weil die Lerngruppe gut vorbereitet in den Unterricht kam, sofort in der Stammgruppe mit dem gegenseitigen Erklären loslegen konnte und so viel Zeit zum Üben übrig blieb!

Das Material zur Stunde gibt’s im Lehrkräfte-Bereich zum Herunterladen!

Flipped Classroom 1. Feedback: Auswertung

Vor Beginn der Weihnachtsferien und nach über drei Monaten Flipped Classroom in BwR war es an der Zeit, mit Hilfe eines Fragebogens ein erstes Feedback über die bisherigen Flipped Classroom Erfahrungen einzuholen und die Meinungen meiner Schülerinnen und Schüler zu erfahren.

Die erste Zwischenbilanz fiel in beiden Jahrgangsstufen annähernd identisch aus, weshalb ich in den Diagrammen die Zahlen nicht nach Klassen aufgeschlüsselt habe.

Klares Votum für den Flipped Classroom

Die spannendste Frage war die letzte im Fragebogen:

Wenn Du entscheiden dürfest, würdest Du lieber traditionellen BwR-Unterricht oder BwR nach dem Flipped Classroom Konzept haben?

Mit einer auch für mich überraschenden Mehrheit haben sich 50 von 54 Lernende für den Flipped Classroom ausgesprochen.

FC_Wahl

Begründungen für den Flipped Classroom waren etwa, dass man „gezielter mit dem Banknachbarn oder mit dem Lehrer lernen kann“ und sich die Videos „bei Bedarf mehrmals anschauen kann, zum Beispiel für die [Schemata]“. Von mehreren Schülern wurde auch genannt, dass es praktisch sei, sich die Einführung selbst anschauen zu können, wenn man krank oder in der Stunde einmal nicht da war.

Wenn man bei einer Übung gar nicht weiterkommt, kann ich direkt den Lehrer fragen, der es dann für mich erklärt. Zu Hause geht das nicht bei normalen Hausaufgaben.

Die Schülerinnen und Schüler schätzen offenbar auch die Kombination aus Erklärvideos und den passenden Übungen auf lernkiste.org zur Vorbereitung auf Schulaufgaben:

Das entscheidende Argument für mich war, dass man sich die Videos vor Schulaufgaben nochmal anschauen kann und dazu auf [Lernkiste.org] auch noch passende Übungen zur Verfügung stehen. Das hat mir beim Verstehen mancher Themen gut geholfen.

Dieses Ergebnis deckt sich auch mit den Antworten auf die Frage, wann die Videos eigentlich angeschaut werden. So gaben nur knapp 1/5 der Befragten an, sich ein Video nur einmalig für den Hefteintrag anzusehen. Die übrigen Schüler nutzen die Videos außerdem zum „Auffrischen“, wenn sie Übungen nicht verstehen und insbesondere zur Prüfungsvorbereitung.

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Contra Flipped Classroom

Ein großer Nachteil des Flipped Classrooms, der von zahlreichen Lernenden genannt wurde, ist die fehlende Möglichkeit, unmittelbar bei der Erklärung (also beim Anschauen des Videos) Fragen stellen zu können. Manchmal würde es das Verstehen des neuen Themas erleichtern, wenn man direkt nachfragen könnte. Möglicherweise müssen die Erklärungen im Video noch ausführlicher werden oder mehr Vorwissen aktiviert werden, was jedoch die Videolänge deutlich erhöhen und den inhaltlichen Umfang steigern würde.

Bei den Lösungen zu Übungen in der Schule verstehe ich oft nicht, wie man da drauf kommt oder warum man das so macht und nicht anders.

In den Unterrichtsstunden haben die Lernenden ja jederzeit Zugriff auf die Lösungen, jedoch wird dort tatsächlich häufig nicht erklärt, wo die Zahlen herkommen oder wieso genau diese Formel verwendet werden soll. Bei Buchungssätzen stellt sich das Problem wahrscheinlich weniger, aber bei Textaufgaben, zum Beispiel zur Zinsrechnung oder zum Kreditwesen, ist dies weitaus problematischer.

Klassenregeln zum Arbeiten im Flipped Classroom nötig

Der einzige Aspekt, in dem sich die beiden Klassen unterschieden, waren Kommentare zur Lautstärke im Unterricht. Während eine Klasse bisher schon recht leise und diszipliniert in Partnerarbeit oder kleinen Gruppen Aufgaben löste, stieg der Lärmpegel in der anderen Klasse häufig so an, dass ich hier einschreiten musste.

Auch im Feedback-Bogen kritisierten einige Lernende dieser Klasse, dass es insgesamt zu laut sei und man das Gefühl habe, die anderen „überschreien“ zu müssen, um den eigenen Partner noch gut verstehen zu müssen. Die Lautstärke rührte zwar nicht daher, dass sich die Klasse nicht mit den Aufgaben beschäftigte und stattdessen Privatgespräche führte, aber durch so manches etwas lautere Organ beim Diskutieren einer Aufgabe wird dieser Teufelskreis vielleicht in Gang gesetzt.

Bei generell etwas lauteren Klassen müsste man zu Beginn des Flipped Classrooms gegebenenfalls gemeinsam etwas abgewandelte Klassenregeln erarbeiten, die alle Beteiligten auf ein rücksichtsvolleres und leiseres Arbeiten auch in Gruppen hinführen, und/oder ich muss als Lehrer hier deutlich schneller einschreiten, sodass eine für alle Lernenden angenehme Arbeitsatmosphäre herrscht, ohne Ablenkung durch einen zu hohen Lärmpegel.

Fazit: Flipped Classroom ist gut angenommen

Zusammenfassend nennen die Lernenden bei Fragen 1-4 von sich aus die vielen Vorteile, die der Flipped Classroom mit sich bringt und gaben ehrliche und hilfreiche Hinweise, was in der Präsenzphase selbst, an den Videos und der Arbeit in der Lernplattform noch verbessert werden kann. Obwohl ich selbst auch merkte, dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht zielstrebig arbeiteten und auch die ersten Prüfungsergebnisse schon (zum Teil deutliche) Verbesserungen zeigen, hätte ich nicht gedacht, dass das Feedback zum Flipped Classroom so positiv ausfällt!

Flipped Classroom Feedback: Der Fragebogen

FeedbackMeine beiden BwR-Klassen (8. und 9. Jahrgangsstufe, BwR-Zweig) werden jetzt seit fast vier Monaten und jeweils ein bis zwei Lehrplanabschnitten nach dem Flipped Classroom Konzept unterrichtet.

Nachdem ich bei den ersten Stegreifaufgaben und Schulaufgaben wahrscheinlich mindestens so aufgeregt war wie die Schüler (ich hätte zwar aus den Beobachtungen aus dem Unterricht beruhigt sein können, aber so eine Test-Situation ist ja dann doch nochmal was anderes …) und dann bei der Korrektur völlig begeistert feststellte, dass die Notenschnitte trotz recht anspruchsvollen Aufgabenstellungen wirklich gut ausgefallen waren, ist es jetzt an der Zeit, eine ausführlichere Meinung meiner beiden Klassen zu diesem Konzept einzuholen.

 

Hierzu bekommen meine beiden Klassen am Dienstag einen zweiseitigen Fragebogen, in denen ich erfahren will, welche Vor- und Nachteile der Flipped Classroom gegenüber dem „traditionellen“ Unterricht aus der Sicht und der Erfahrung bietet, was in der Präsenz-Phase verbessert werden kann, wie die Videos eigentlich konsumiert werden und wie die Lernenden die Qualität der Videos beurteilen.

Da ich mich in meiner Arbeit als Lehrer aber durchaus als „Dienstleister“ sehe, der die Schülerinnen und Schüler letzten Endes auch bestmöglichst auf die Abschlussprüfung vorbereiten soll, bin ich am neugierigsten auf die letzte Frage:

Wenn Du entscheiden dürfest, würdest Du lieber traditonellen BwR-Unterricht haben (Einführungsstunden und Hefteinträge in der Schule, Übungen in der Schule, Aufgaben als Hausaufgabe alleine) oder weiter BwR nach dem Flipped Classroom Konzept haben?

Spannend wird dabei, wie die Schüler ihre Entscheidung begründen und welche Schlüsse ich daraus für meinen BwR-Unterricht und für meinen Flipped Classroom Einsatz ziehen kann. Auf YouTube scheinen die Videos den Nutzerzahlen und durchwegs positiven Kommentaren sehr gut anzukommen, aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich klar bei meinen eigenen Klassen!

Ich bin gespannt! Die Auswertung und die wichtigsten / interessantesten Schlussfolgerungen gibt’s natürlich demnächst hier im Blog!

 

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Lernkiste.org YouTube-Channel

Zum Angebot auf lernkiste.org für BwR gehören nicht nur die PDF-Arbeitsblätter, die von Anfang an ein Teil der lernkiste waren, sondern auch die vielen Videos und LearningApps für den Flipped Classroom in BwR. Im BwR-Bereich sind seit kurzem auch schön thematisch gruppiert alle Videos, PDF-Dateien und interaktive Übungen, sodass man alles gleich findet.

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Nicht so übersichtlich war bisher der YouTube-Channel von lernkiste.org.
Dort hatte ich zwar bisher auch schon zwei Playlists erstellt für die Jahrgangsstufen, in denen ich das Konzept im Moment einsetze. Allerdings war das ganze Drum-Herum, nämlich der Channel selbst, weder übersichtlich noch einladend.

Das ist jetzt anders: Auf der Übersicht-Seite finden Besucher des Channels schnell die Playlists der Jahrgangsstufen, beliebte Videos und eine Übersicht an neuen Videos. Dazu gibt es die passenden Links zu den YouTube-Channels meiner Kollegen aus dem Flipped Classroom Netzwerk umgedrehterunterricht.de.

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