Erster mebis TeachShare-Kurs veröffentlicht

Auf der bayerischen Lernplattform mebis gibt es seit geraumer Zeit über die Funktion TeachShare die Möglichkeit, ganze Mebis-Kurse freizugeben. Andere Lehrkräfte können diese Kurse dann mit wenigen Klicks als eigene Kurse übernehmen und damit weiterarbeiten.

Mebis-Kurs zum Thema „Englisch – Passive“

Mit meinem Mebis-Kurs zum Passiv (Link zum Mebis-Kurs) können Schüler sich das Thema anhand eines (fremden) Erklärvideos selbst beibringen. Das Video erlaubt ihnen, zu pausieren und sich manche Stellen wenn nötig nochmal anzusehen. So lernen die Schüler das Passiv im eigenen Tempo kennen. Eine kleine Zuordnungsaufgabe stellt im Anschluss die Kognitivierung dar und hilft, den formalen Aufbau der Grammatik zu benennen.

Nach der verpflichtenden ersten Aufgabe für alle Schüler wird der Hefteintrag freigeschaltet, der zur Sicherung ins Heft übertragen werden kann. Die erste Übung ist als „Test“ gestaltet, sodass Lehrkräfte sehen können, wie gut die Schüler die Grammatik an dieser Stelle schon beherrschen.

Anschließend sollen die Schüler selbst beurteilen, wie sicher sie schon beim Passiv sind und wählen entsprechend ihrer Einschätzung differenziert leichtere Aufgaben, die ihnen helfen sollen, sich die Form der Grammatik einzuprägen, oder anspruchsvollere Aufgaben, bei denen die Grammatik schon in verschiedenen Zeiten und Kontexten angewendet werden soll.

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Der Kurs im Überblick

Ein Thema statt ganze Jahrgangsstufen

Dieser Mebis-Kurs konzentriert sich ausschließlich auf das Thema „Passiv“, damit er von Lehrkräften flexibel und abhängig vom Lehrwerk, der Schulart oder der Jahrgangsstufe eingesetzt werden kann. Ich werde auch in Zukunft darauf achten, solche Kurse nicht auf ganze Jahrgangsstufen zu beziehen (z.B. Englisch Klasse 8), sondern mich auf das Format „Ein Thema – ein Kurs“ konzentrieren, weil sie so einfach viel flexibler und damit praktischer eingesetzt werden können.

Für Lehrkräfte: QR-Codes zu eigenen H5P-Aufgaben auf Lernkiste

Eine wirklich tolle Sache bei den digitalen Übungen von LearningApps.org ist die einfache und schnelle Möglichkeit, die Übungen auf ganz verschiedene Arten irgendwo einzupflegen – also SCORM-Paket, einfach als Link oder als QR-Code auf einem ausgedruckten Arbeitsblatt oder also Grafik in der Präsentation, die von den Lernenden vom Platz aus mit dem Smartphone gescannt werden kann.

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Beispiel für die Einbett-Möglichkeiten von LearningApps.org

So kann ich meine oder auch fremde digitale Übungen ganz bequem „an den Schüler“ bringen. Häufig verwende ich mittlerweile aber anstelle von LearningApps die H5P-Software, mit der man nicht nur interaktive Videos (siehe Blogeintrag hier), sondern auch eine große und wachsende Vielzahl von digitalen Übungen erstellen kann, die auch auf allen Smartphones und Tablets gut dargestellt werden. Diese Übungen erscheinen direkt auf lernkiste.org bei den einzelnen Themen.

Um den Kolleginnen und Kollegen, die diese H5P-Übungen auf lernkiste.org (es gibt immer mehr davon im Englisch– und BwR-Bereich) gerne für den eigenen Unterricht verwenden möchten, die Arbeit etwas leichter zu machen, gibt es unter allen Lernkiste-Übungen ab jetzt auch gleich den passenden QR-Code zum Kopieren. Diese Grafik kann sofort kopiert und im eigenen Arbeitsblatt oder einer Präsentation eingefügt werden!

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Beispiel eines QR-Codes unter einer H5P-Übung

Flipped Classroom mit Arbeitsblatt und Tafelbild: Vorschlag für den ersten Einstieg

Im letzten Blog-Beitrag habe ich schon von einer Möglichkeit berichtet, den Unterricht auch ohne den Einsatz eines Videos umzudrehen, nämlich durch den geflippten Einsatz der Gruppenpuzzle-Methode.

Grafik by https://www.iconfinder.com/justui

In diesem Beitrag möchte ich kurz einen möglichen Ansatz vorstellen für alle, die das Flipped Classroom Konzept gerne einmal ausprobieren wollen, aber nicht gleich mit Videos oder schülerzentrierten Methoden starten, sondern sich und die eigene Klasse vielleicht langsamer und „klassischer“ an einen Unterricht gewöhnen möchten, in dem die Hausaufgabe nicht zur Nachbereitung, sondern der Vorbereitung auf den Unterricht dient. Denn darum geht’s: Nicht um Technik oder digitale Bildung, sondern um mehr echte Lernzeit und den besseren Einsatz des Lehrers als Experten, der individuell helfen und zur Seite stehen kann.

Erarbeitung über Arbeitsblatt daheim, Sicherung über Tafelbild in der Stunde

In einer BwR-Stunde der 8. Klasse zum Thema „Skonto im Verkaufsbereich“ fand die Erarbeitung bei mir bisher klassisch über ein Arbeitsblatt statt, das in Einzelarbeit bearbeitet und dann verbessert wurde, bevor gemeinsam das Tafelbild erstellt wurde. Zwar hat das gut funktioniert, aber zum Üben und Anwenden blieb in der Stunde so gut wie keine Zeit mehr. Das erste mal wirklich das Gelernte anwenden mussten die SuS zu Hause, alleine.

In der neuen, geflippten Stunde erarbeitet sich die Klasse das Thema anhand eines leicht veränderten Arbeitsblattes zu Hause selbst. Das erfordert kaum Aufwand, man kann sein vorhandenes Material nutzen und die Umstellung der Stunde ist damit gleich gemacht.

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Damit die Schülerinnen und Schüler auch daheim prüfen können, ob sie das Thema verstanden haben, finden sie eine erste interaktive Zuordnungsaufgabe hinter einem QR-Code, der schnell gemacht ist.

In der Stunde fallen viele Minuten der Erarbeitung weg, denn die Klasse weiß bereits, worum es geht und das Tafelbild kann sofort im Lehrer-Schüler-Gespräch erstellt werden. Dadurch bleibt nun viel mehr wertvolle Unterrichtszeit, um Übungsaufgaben in der Stunde selbst zu machen, und ich als Lehrer kann beim Anwenden und Vertiefen unterstützen.

Hier wird die Stunde im Kleinen geflippt – ohne großen Zeitaufwand aber mit einem Zeitgewinn, der doch viel ausmacht!

Das Arbeitsblatt zur Erarbeitung gibt’s im BwR-Bereich.

Interaktive Videos mit H5P – Schüler werden bei der Erarbeitung aktiv

Videos sind ein tolles Medium, werden aber leider nur passiv konsumiert – bisher! Mit interaktiven Videos und dem H5P-Plugin werden Videos „lebendig“.

Pro und Contra Video: Sinnvolles Medium oder passive Schüler?

Ein beliebter Weg für die auf den Unterricht vorbereitende Wissensvermittlung im Flipped Classroom ist der Einsatz von Erklärvideos. Videos eignen sich aber auch im „klassischen“ Unterricht für viele Dinge: als Material in einem Lernzirkel am Tablet, zur Nachbereitung oder Zusammenfassung (die Explainity-Videos etwa fassen die in WiR behandelten Themen häufig hervorragend zusammen). In eigenen Videos erkläre ich Dinge (hoffentlich) prägnant, anschaulich und auf den Punkt gebracht.

Was mich aber bisher störte: mehr als Pause und Play müssen Lernende nie drücken. Videos werden brav angeschaut und die Hefteinträge erstellt, aber wie viel aktive Denkleistung die Schüler beim Anschauen wirklich investieren (Vorwissen aktivieren, Querverweise zu anderen Themen herstellen, Zusammenhänge erkennen), bleibt mir als Lehrkraft bei diesem Medium leider verborgen.

Mit interaktiven Videos sollen Schüler aktiv werden

Ein Open-Source Projekt, H5P.org, das im Moment als WordPress- und drupal-Plugin funktioniert und bald auch in Moodle funktionieren soll, ermöglicht es, selbst gehostetete oder auf YouTube verfügbare Videos mit einer einfachen Benutzeroberfläche mit ganz verschiedenen Frage-Typen anzureichern.

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Im Editor spielt das Video ab. An einer gewünschten Stelle klickt man auf Pause und wählt aus, welche Frage man an hier einfügen soll. Es gibt viele Fragetypen, wie Lückentext, Multiple-Choice oder Zuordnungsaufgaben. An den Stellen mit Fragen wird das Video pausiert und die Schüler sollen die Frage beantworten, bevor das Video weitergeht.

Die Fragen machen das Video zu einem schüleraktivierenden Medium, das an geeigneten Stellen Vorwissen aktivieren kann, Verständnis der neuen Inhalte prüft oder mit den passenden Aufgaben zum Transfer des Wissens anregt. Die Schüler sehen nicht erst in der nächsten Unterrichtunde, sondern gleich beim Anschauen des Videos, ob sin den neuen Stoff auch wirklich verstanden haben oder einen Abschnitt besser doch nochmal anschauen sollten.

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Im ersten interaktiven Video habe ich drei Frage-Typen eingebaut, die das Ganze veranschaulichen sollen.

Alles super? (Noch) nicht ganz!

Der Editor verlangt von der Lehrkraft keine Programmier-Kenntnisse. Alles funktioniert über Buttons und Textfeldern, wie man es etwa von LearningApps.org schon kennt. Super einfach, super schnell gemacht. Die erstellten Inhalte (Videos, quizzes, usw.) lassen sich auf jeder Seite einbinden und funktionieren auf dem Handy, Tablet oder Computer. Genial!

Leider gibt’s noch ein paar „Probleme“ mit dem H5P-Plugin. Das Plugin selbst funktioniert gut, aber in der Übersicht eigener Inhalte kann man nur durch Tags, nicht aber durch Ordner oder Unterordner strukturieren. am Anfang OK, auf Dauer aber unübersichtlich.

Wesentlich gravierender aber ist die Tatsache, dass man H5P im Moment nur auf der eigenen Website verwenden kann. Für mich mit lernkiste.org kein Problem, aber wie viele Lehrkräfte haben selbst gehostete Websites, wo sie solche Inhalte online stellen können? Auf H5P.org kann man Inhalte zwar erstellen, die Seite ist aber kein Verzeichnis von vorhandenen Übungen wie LearningApps.org.

Ein großer Schritt, der dieses Problem behandeln wird, ist die demnächst kommende Moodle-Integration. Wann und wie die kommt, steht aber noch in den Sternen. Noch fraglicher ist dabei auch, wann die Mebis-Integration (Das zentrale Moodle-System für bayerische Schulen) von H5P kommt. Das wäre ein sehr wichtiger Schritt, um H5P „massentauglich“ zu machen.

Tolles Tool mit so viel Potential

Auch wenn der aktuelle Entwicklungsstand von H5P noch einige Wünsche offen lässt hinsichtlich Organisation und Integration, kann das Tool schon jetzt total viel. Interaktive Videos sind ein toller, wichtiger und sinnvoller Baustein für einen Video-gestützten Flipped Classroom bzw. Video-Einsatz im Unterricht und die Quizze sind vielseitig, regen an und sind total schnell erstellt.

Ein super Tool für digitales Lernen mit ganz viel Potential!

Demnächst folgt ein Beitrag zu den verschiedenen Quizzes, die man mit H5P erstellen kann.

In eigener Sache: Englisch-Bereich komplett neu gestaltet

Im Englisch-Bereich konnte man die Anfänge und aller ersten Gehversuche von lernkiste.org noch sehr gut erkennen: Viele LearningApps wurden in ewig langen Linklisten unübersichtlich untereinander verlinkt, dazwischen ein paar (tote) Links zu PDF-Lösungsblättern, an die Seite Quizlet-Banner zu halb fertigen Vokabel-Sets geklebt. Ein ganz schöner Verhau, noch dazu ausgerichtet und sortiert nach einem bestimmten Lehrwerk, das wir zufällig an der Schule, an der ich unterrichte, einsetzen. Dabei können auch Schüler, die nicht ausgerechnet auf die bayerische Realschule gehen und ausgerechnet das Buch dieses Verlages verwenden, von den Übungen zum Conditional 1 profitieren – nur woher sollen sie wissen, dass diese unter Class 7 – Unit 3 zu finden sind?

Zwei Bereiche: Grammar und Vocabulary

Statt nach Jahrgangsstufen zu sortieren, gibt es jetzt zwei Themenbereiche, nämlich Grammatik und Vokabeln. Im Bereich Grammatik finden Lernende alle digitalen Übungen nach Grammatik-Bereichen sortiert, z.B. Tenses, Pronouns, Conditionals, usw.

Der neue Grammatik-Bereich
Der neue Grammatik-Bereich

Der Vokabel-Bereich wird im Moment noch überarbeitet. Vor allem aber will ich mit dem Verlag, den wir für das Englisch-Buch verwenden, jetzt erst einmal klären, wie es bei der Zusammenstellung nach Units überhaupt urheberrechtlich aussieht und ob ich auf Units abgestimmte Vokabel-Übungen überhaupt hier veröffentlichen darf. Daumen drücken, die Anfrage läuft!

Grammatik-Bereiche mit Infos und Gliederung

Innerhalb der Grammatik-Bereiche gibt es zu vielen Phänomenen vor den eigentlichen Übungen eine ganz kurze Mini-Zusammenfassung mit einem Beispiel. So sieht man das Wesentliche auf einen Blick, bevor es an’s Üben geht.

Außerdem, und das ist hoffentlich für Kolleginnen und Kollegen praktisch, die Lernkiste.org einsetzen, ist die Aufgliederung in Single Activities, also Übungen zum Alleine machen, und Multiplayer classroom activities. Dahinter stecken Übungen wie Kahoots, die man zusammen im Klassenzimmer spielen und so schnell finden und aufrufen kann.

Grammatik-Seite im Detail
Grammatik-Seite im Detail

Ich hoffe, durch den neuen Aufbau wird der Englisch-Bereich für die Besucher viel übersichtlicher und zugänglicher, damit das Lernen und Üben einfacher und unkompliziert wird!

Nicht schnell, sondern reflektiert und im Team: Quizlet Live als Alternative zu Kahoot

Kahoot liegt im Trend! Nicht nur liest man auf Twitter von Kollegen und deren Klassen, die voll im Kahoot-Fieber sind und die tolle Plattform nutzen, um Inhalte spielerisch und auf sehr motivierende Weise zu wiederholen, auch als Lehrkraft darf man auf Fortbildungen immer öfter in die Schüler-Rolle schlüpfen, wo Kahoots als Eisbrecher, zum Einstieg oder Veranschaulichen eines präsentierten Sachverhalts eingesetzt werden. Ich selbst habe Kahoot im Februar im Lernkiste.org Blog vorgestellt.

Eine andere Plattform, die ich seit Jahren sehr gerne nutze, ist Quizlet.com. Dort habe ich mit der tatkräftigen Hilfe von fleißigen Kollegen für alle Englisch-Klassen die Vokabeln unseres Schulbuchs eingepflegt. Auf Quizlet können die Schüler Vokabeln nicht nur recht „klassisch“ über Flashcards lernen, sondern das Vokabel-Lernen über verschiedene Lern-Modi (eintippen, Matching, Multiplayer-Spiele, usw.) abwechslungsreicher und ein wenig spannender machen.

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Quizlet Live: Das etwas andere Kahoot

Als ganz neues Feature hat Quizlet jetzt „Quizlet Live“ eingeführt, das an das Prinzip von Kahoot anschließt, aber an entscheidenden Stellen eigene Wege geht:

Die Lehrkraft eröffnet das Spiel am eigenen Rechner & Beamer, die Klasse kommt wie gewohnt über einen Game PIN in’s Spiel. Doch ab hier läuft es anders: Die Schüler spielen nicht alleine, sondern in von Quizlet automatisch zugewiesenen Teams. Das spart Zeit und Diskussionen, wer in welcher Gruppe ist – super!

Anschließend sehen die Schüler auf ihren Geräten Fragen (z.B. Vokabeln) und nur ein Team-Mitglied hat die richtige Lösung. Die Schüler müssen also erkennen, ob sie selbst die Lösung haben oder jemand anders im Team aktiv werden muss. Besonders knifflig: Jeder kann zu jeder Zeit auf eine Antwort klicken! Manchmal klicken also Schüler auf eine Lösung, die allein schon deshalb falsch sein muss, weil bei ihnen gar keine richtige Lösung angezeigt wird. Das zwingt zur Zusammenarbeit und zum Austausch über die möglicherweise richtige Lösung!

Bei diesem Spiel-Modus geht es außerdem nicht (primär) um Schnelligkeit: Zwar ist das Spiel grafisch wie ein Pferderennen aufgebaut, also gewinnt das schnellste Team, aber bei einer falschen Antwort geht’s automatisch zurück zum Start: So wurde meine Klassen, bei denen ich Quizlet Live schon probiert habe, wirklich gezwungen, nicht nur wild auf Buttons zu drücken, sondern über die richtige Antwort zu diskutieren und mehr nachzudenken!

Am Ende des Spiels gibt’s dann auch noch eine Zusammenfassung der Fragen, bei denen sich viele Schüler schwer taten. Das ist nochmal eine tolle Gelegenheit, auf diese Vokabeln oder Fragen einzugehen oder als Gesprächsanlass für die nächste Übungsphase zu nehmen. Wirklich praktisch!

Ähnliche Modi für verschiedene Zwecke

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass der Klasse Kahoot wegen der Musik, der Aufmachung und des Fokus auf Geschwindigkeit etwas mehr Spaß gemacht hat als Quizlet Live. Allerdings mussten sie bei Quizlet Live deutlich konzentrierter und reflektierter spielen, was dem Lernprozess wohl insgesamt förderlicher war als eine Runde Kahoot. Letztendlich kann man aber variieren: Geht’s um eine „Wiederholung light“, wo auch mal der Spaß im Vordergrund stehen darf, ist Kahoot super, für etwas tiefergreifende Übungen greift man zu Quizlet Live.

Übrigens: Meine Quizlet-Sets für Englisch sind öffentlich. Sie können sie im Menü „Englisch“ bei den jeweiligen Jahrgangsstufen finden und selbst für Ihre Klassen verwenden.

Mehr Infos zu Quizlet Live gibt’s hier auf deren Website!

Flipped Classroom ohne Video: Stamm-Experten-Gruppe

Für viele interessierte Lehrkräfte, die neugierig auf den „Flipped Classroom“ geworden sind, stellt das Unterrichten mit Erklärvideos einen ersten Zugang zu diesen Konzept dar. Liest man sich dann tiefer in das Thema ein, wirft einen Blick auf die Arbeitsweise und Materialien von Lehrkräften, die dieses Konzept schon anwenden, oder besucht man gar Fortbildungen oder Tagungen zum Flipped Classroom, wird die These häufig noch verstärkt, der Flipped Classroom wäre ein Synonym für das Unterrichten mit dem Medium Video.

Medien- und Methodenvielfalt bereichern das Lernen

In der Tat sind Erklärvideos eine beliebte und sinnvolle Möglichkeit, seinen Unterricht umzudrehen. Es gibt viele tolle Werkzeuge, um ansprechende und qualitativ hochwertige Videos zu produzieren und vielfältige Wege, sie den Lernenden zur Verfügung zu stellen. Außerdem ist es für die Schülerinnen und Schüler bequemer und bestimmt ansprechender, sich ein Video anzusehen als sich das Thema etwa mit Hilfe des Schulbuchs zu erarbeiten.

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Grafik von Oliver Tacke

Herzstück des umgedrehten Unterrichts ist aber nicht das Medium Video, sondern die Verlagerung von (meist lehrerzentrierten) Einführungsphasen. Anstatt ein Thema in der Schule im gleichen Tempo zu lernen, erarbeiten die Lernenden den Stoff selbstständig in Vorbereitung auf die nächste Stunde um die so gewonnene Unterrichtszeit zum Üben, Vertiefen und personalisierten Lernen zu verwenden.

Dabei muss die Vorbereitung bzw. Erarbeitung der Inhalte nicht immer per Video stattfinden, sondern kann genauso gut in Form von Arbeitsblättern, Wiki-Einträgen oder anderen Medien stattfinden, die den Sachverhalt erklären. Dabei muss – wie beim Video auch – darauf geachtet werden, dass die Erklärungen klar formuliert sind und ohne weitere Hilfestellungen durch die Lehrkraft verstanden werden können.

Beispiel: Arbeitsblatt und Stamm-Experten-Gruppen im Flipped Classroom

In einer umgedrehten BwR-Stunde möchte ich das Thema „Verpackungsmaterial und Ausgangsfracht“, das aus drei Teilbereichen besteht, nicht in Form eines Videos einführen. Stattdessen soll sich jeweils ein Drittel der Klasse mit einem Teilbereich beschäftigen und diesen den Mitschülern als „Experten“ in kleinen Gruppen erklären.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass die Methode zwar gut funktioniert, im Unterricht aber nach der Erarbeitung und Sicherung kaum noch Zeit bleibt, um das erarbeitete Thema auch wirklich zu üben. Hier kommt der Flipped Classroom ins Spiel:

Zur Vorbereitung auf ein kurzes Treffen in der Stammgruppe erarbeiten die Lernenden ihren Teilbereich des Themas zu Hause. Vor der Gruppenbildung der unterschiedlichen Experten treffen sich die themengleichen Experten zu Beginn der Stunde nur kurz in den Stammgruppen, um sicherzustellen, dass alle das Thema verstanden haben. Dann erfolgt die Gruppenphase, in der sich die Experten die Teilbereiche gegenseitig erklären. Anschließend bleibt Zeit, um das Thema durch zusätzliche Übungen zu festigen.

Ablauf

  1. Erarbeitung des Teilgebiets als Vorbereitung
  2. Kurzer Austausch in Stammgruppen zum Abgleich des Gelernten
  3. Gruppenphase mit Treffen der einzelnen Experten (Erarbeitung neuer Inhalte der anderen Experten und Festigen des eigenen Themas im Sinne von Lernen durch Lehren)
  4. Übung und Vertiefung mit weiterführenden Aufgaben
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Beispiel für Erarbeitungsblatt aus der SteX

Trainieren des selbstständigen Arbeitens mit Videos

Die selbstständige Vorbereitung auf die Stunde verlangt von den Lernenden noch mehr Verantwortung als beim „üblichen“ Flipped Classroom, da die Schülerinnen und Schüler nicht mehr nur für das eigene, sondern auch für das Lernen der Klassenkameraden verantwortlich sind.

Ich glaube, diese Art des Lernens kann vor allem dann funktionieren, wenn die Klasse schon im Vorfeld trainiert hat, sich so aktiv am Lernprozess zu beteiligen und etwa durch die eigenständige Vorbereitung auf den Unterricht Verantwortung für das (eigene) Lernen zu übernehmen. Tatsächlich hat die Stunde wunderbar funktioniert, weil die Lerngruppe gut vorbereitet in den Unterricht kam, sofort in der Stammgruppe mit dem gegenseitigen Erklären loslegen konnte und so viel Zeit zum Üben übrig blieb!

Das Material zur Stunde gibt’s im Lehrkräfte-Bereich zum Herunterladen!

BwR-Bereich komplett umgebaut

Kaum zu glauben, wie stark der BwR-Bereich auf lernkiste.org in den letzten Monaten gewachsen ist. In vielen Themenbereichen kamen neue digitale Lern-Apps und PDF-Arbeitsblätter hinzu. Besonders aber der Flipped Classroom hat dazu beigetragen, dass viele neue Erklär-Videos, Lerntheken und andere Lernmaterialien entstanden sind, mit denen der BwR-Stoff gelernt und geübt werden kann.

Das hat aber dazu geführt, dass die BwR-Seiten immer länger und unübersichtlicher wurden. Man musste scrollen und scrollen, um zum gewünschten Thema zu gelangen. Damit ist es jetzt vorbei: Die BwR-Seiten sind komplett umgebaut und viel übersichtlicher strukturiert.

BwR_Kapitalaufbau

Die Lehrplanabschnitte oder Themenbereiche sind ab jetzt in Kapitel unterteilt. So findet man schnell das Thema, zu dem man etwas erfahren will. Auf der einzelnen Kapitel-Seite erscheinen dann neben einer kurzen Einstiegs-Erklärung alle Übungen und Lernmaterialien auf einen Blick.

Im Klassenzimmer: Spielend und digital Inhalte wiederholen mit Kahoot

Schon seit zwei Schuljahren nutze ich Quizlet und lasse meine Klassen dort mit Hilfe von digitalen Karteikarten hauptsächlich Englisch-Vokabeln lernen. Natürlich gibt’s alle Vokabel-Sets über lernkiste.org auch für andere Schüler.

Während Quizlet hauptsächlich für das alleine Lernen und Wiederholen gedacht ist, geht Kahoot! einen ganz anderen Weg: hier steht das gemeinsame und spielerische Lernen und Üben im Vordergrund, und über den Wettkampf-Charakter (oder modern gesamt: durch Gamification) macht Üben plötzlich Spaß und motiviert.

Ich habe Kahoot! für Englisch und BwR jetzt mal ausprobiert:

Kahoot im Fach BwR

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Auf das Bild klicken, um zum Spiel zu gelangen

Im Moment geht’s in BwR 8 II um Kalkulationshilfen. Die Erstellung eines Spiels ist total einfach: Nach der schnellen Registrierung kann man sofort loslegen, füllt ein paar Textfelder aus, legt richtige Antwortmöglichkeiten fest und hat mit ein paar Klicks sein Kahoot! erstellt.

Für BwR eignet sich das Multiple Choice Prinzip recht gut. Bei Theorie-Themen geht das ja immer, aber auch bei Buchungssätzen klappt’s. Wenn man hier typische Schüler-Fehler weiß (2400 FO und 4400 VE verwechseln, Einkauf/Verkauf, Soll/Haben, usw.), kann man die Antwort-Alternativen entsprechend formulieren und kommt so zu einem schönen Ergebnis. Natürlich ist es etwas anderes, wenn Schüler den Buchungssatz selbst formulieren, aber für ein auflockerndes Übungs-Spiel zwischendurch reicht das alle mal.

Kahoot im Fach Englisch

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Auf das Bild klicken, um zum Spiel zu gelangen

Für Englisch kann man Kahoot natürlich auch gut nutzen, aber hier schränkt die fehlende Freitext-Eingabe die Gestaltungsmöglichkeiten leider sehr ein. Bei Grammatik-Themen klappt die Multiple Choice-Lösung ganz gut, weil man hier schön mit der Schwierigkeit spielen kann und mit ausreichend Distraktoren ein angemessenes Anspruchsniveau aufbauen kann.

Bei Vokabeln wird’s schon schwieriger: Manche Themenbereiche oder Arten von Vokabeln kann ich durch die Art des Quizzes sicherlich gut prüfen, aber wenn die Lernenden die Vokabeln abschnittsweise lernen und auch nur rudimentär beherrschen, finden sie die richtigen Vokabeln unter der Auswahl recht schnell, obwohl sie das Wort ansonsten nicht gewusst hätten geschweige denn aktiv nutzen könnten.

Kahoots anderer Lehrer nutzen

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Überaus praktisch ist bei Kahoot genau wie bei LearningApps oder anderen Plattformen die Möglichkeit, öffentlich gestellte Kahoots anderer User zu nutzen und so das Rad bei vielen Themen nicht neu erfinden zu müssen. Das spart Zeit, gibt am Anfang einen guten Eindruck, wie man die Plattform nutzen kann und senkt vielleicht auch für technikscheuere Kollegen die Hemmschwelle, digitale Medien bzw. hier Kahoot im Speziellen im eigenen Unterricht einzusetzen.

Flipped Classroom 1. Feedback: Auswertung

Vor Beginn der Weihnachtsferien und nach über drei Monaten Flipped Classroom in BwR war es an der Zeit, mit Hilfe eines Fragebogens ein erstes Feedback über die bisherigen Flipped Classroom Erfahrungen einzuholen und die Meinungen meiner Schülerinnen und Schüler zu erfahren.

Die erste Zwischenbilanz fiel in beiden Jahrgangsstufen annähernd identisch aus, weshalb ich in den Diagrammen die Zahlen nicht nach Klassen aufgeschlüsselt habe.

Klares Votum für den Flipped Classroom

Die spannendste Frage war die letzte im Fragebogen:

Wenn Du entscheiden dürfest, würdest Du lieber traditionellen BwR-Unterricht oder BwR nach dem Flipped Classroom Konzept haben?

Mit einer auch für mich überraschenden Mehrheit haben sich 50 von 54 Lernende für den Flipped Classroom ausgesprochen.

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Begründungen für den Flipped Classroom waren etwa, dass man „gezielter mit dem Banknachbarn oder mit dem Lehrer lernen kann“ und sich die Videos „bei Bedarf mehrmals anschauen kann, zum Beispiel für die [Schemata]“. Von mehreren Schülern wurde auch genannt, dass es praktisch sei, sich die Einführung selbst anschauen zu können, wenn man krank oder in der Stunde einmal nicht da war.

Wenn man bei einer Übung gar nicht weiterkommt, kann ich direkt den Lehrer fragen, der es dann für mich erklärt. Zu Hause geht das nicht bei normalen Hausaufgaben.

Die Schülerinnen und Schüler schätzen offenbar auch die Kombination aus Erklärvideos und den passenden Übungen auf lernkiste.org zur Vorbereitung auf Schulaufgaben:

Das entscheidende Argument für mich war, dass man sich die Videos vor Schulaufgaben nochmal anschauen kann und dazu auf [Lernkiste.org] auch noch passende Übungen zur Verfügung stehen. Das hat mir beim Verstehen mancher Themen gut geholfen.

Dieses Ergebnis deckt sich auch mit den Antworten auf die Frage, wann die Videos eigentlich angeschaut werden. So gaben nur knapp 1/5 der Befragten an, sich ein Video nur einmalig für den Hefteintrag anzusehen. Die übrigen Schüler nutzen die Videos außerdem zum „Auffrischen“, wenn sie Übungen nicht verstehen und insbesondere zur Prüfungsvorbereitung.

FC_WannVideo

Contra Flipped Classroom

Ein großer Nachteil des Flipped Classrooms, der von zahlreichen Lernenden genannt wurde, ist die fehlende Möglichkeit, unmittelbar bei der Erklärung (also beim Anschauen des Videos) Fragen stellen zu können. Manchmal würde es das Verstehen des neuen Themas erleichtern, wenn man direkt nachfragen könnte. Möglicherweise müssen die Erklärungen im Video noch ausführlicher werden oder mehr Vorwissen aktiviert werden, was jedoch die Videolänge deutlich erhöhen und den inhaltlichen Umfang steigern würde.

Bei den Lösungen zu Übungen in der Schule verstehe ich oft nicht, wie man da drauf kommt oder warum man das so macht und nicht anders.

In den Unterrichtsstunden haben die Lernenden ja jederzeit Zugriff auf die Lösungen, jedoch wird dort tatsächlich häufig nicht erklärt, wo die Zahlen herkommen oder wieso genau diese Formel verwendet werden soll. Bei Buchungssätzen stellt sich das Problem wahrscheinlich weniger, aber bei Textaufgaben, zum Beispiel zur Zinsrechnung oder zum Kreditwesen, ist dies weitaus problematischer.

Klassenregeln zum Arbeiten im Flipped Classroom nötig

Der einzige Aspekt, in dem sich die beiden Klassen unterschieden, waren Kommentare zur Lautstärke im Unterricht. Während eine Klasse bisher schon recht leise und diszipliniert in Partnerarbeit oder kleinen Gruppen Aufgaben löste, stieg der Lärmpegel in der anderen Klasse häufig so an, dass ich hier einschreiten musste.

Auch im Feedback-Bogen kritisierten einige Lernende dieser Klasse, dass es insgesamt zu laut sei und man das Gefühl habe, die anderen „überschreien“ zu müssen, um den eigenen Partner noch gut verstehen zu müssen. Die Lautstärke rührte zwar nicht daher, dass sich die Klasse nicht mit den Aufgaben beschäftigte und stattdessen Privatgespräche führte, aber durch so manches etwas lautere Organ beim Diskutieren einer Aufgabe wird dieser Teufelskreis vielleicht in Gang gesetzt.

Bei generell etwas lauteren Klassen müsste man zu Beginn des Flipped Classrooms gegebenenfalls gemeinsam etwas abgewandelte Klassenregeln erarbeiten, die alle Beteiligten auf ein rücksichtsvolleres und leiseres Arbeiten auch in Gruppen hinführen, und/oder ich muss als Lehrer hier deutlich schneller einschreiten, sodass eine für alle Lernenden angenehme Arbeitsatmosphäre herrscht, ohne Ablenkung durch einen zu hohen Lärmpegel.

Fazit: Flipped Classroom ist gut angenommen

Zusammenfassend nennen die Lernenden bei Fragen 1-4 von sich aus die vielen Vorteile, die der Flipped Classroom mit sich bringt und gaben ehrliche und hilfreiche Hinweise, was in der Präsenzphase selbst, an den Videos und der Arbeit in der Lernplattform noch verbessert werden kann. Obwohl ich selbst auch merkte, dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht zielstrebig arbeiteten und auch die ersten Prüfungsergebnisse schon (zum Teil deutliche) Verbesserungen zeigen, hätte ich nicht gedacht, dass das Feedback zum Flipped Classroom so positiv ausfällt!